Hallo Andi,
auch wenn ich es nicht persönlich nehme, denke ich da drüber nach.
Ich glaube, teilweise verstehe ich schon, was Du meinst - ich habe ja auch Benzin im Blut irgendwie - das ist ja gerade die Krux.
Und Du hast in einem absolut Recht, ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass nur Prius-Fahrer gute Menschen sind und alle anderen zu verdammen. Das wäre natürlich Blödsinn.
Aber im Detail: warum einen Q7, das verstehe ich trotzdem nicht. Ich wäre, wenn schon "sowas", dann viel glücklicher über einen A8 oder A6 - hat genau die gleichen, von Dir beschriebenen Qualitäten, man schleppt aber nicht unnütz eine Jagdhütte mit

Nur Spass in dem Sinn bereiten
mir solche Autos respektive andere 300, 400 oder mehr PS Autos nur dann, wenn ich mich damit weit ausserhalb der Grenzen der Vernunft und zumeist auch des Gesetzes bewege. Daher kann
ich mir nicht vorstellen, dass der typische Fahrer eines solchen Wagens sich immer im entsprechenden Rahmen bewegt.
Ich gebe aber zu, das ist natürlich schon ein Stück weit auch ein Vorurteil. Völlig unrecht habe ich aber, wenn man den Verkehr beobachtet, dann auch wieder nicht. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Ich meine aber ganz bestimmt nicht, dass jetzt deshalb alle Prius fahren sollen. Das wäre ja Blödsinn, da sind wir uns ja einig

Tja, und warum fuhr noch keinen P1?
Also 1997, als der P1 präsentiert wurde, habe ich mir als Student mein allererstes Auto gekauft. Einen Fiat Punto mit 55PS, gebraucht natürlich - ich war froh, mir überhaupt ein Auto leisten zu können. Das war ein sehr vernünftiges Auto und ich vermisse den heute noch manchmal. Damals, jung und ungestüm, konnte ich den Reiz dieser Minimalmotorisierung allerdings nicht schätzen. Mein Traumwagen 1997 wäre der damals gerade neu präsentierte Alfa 156 gewesen.
Und so folgte 2000 nach einem Jahr Berufstätigkeit dann ein (ebenfalls gebrauchter) Alfa 155 2.0TS, selbstverständlich in Rot, und netterweise mit dem serienmässigen Sportpaket (Spoiler, Fahrwerk, ...).
Der hatte zwar "nur" 144PS anstatt über 300, aber damit habe ich mich definitiv nicht immer innerhalb der vernünftigen und/oder gesetzlichen Grenzen bewegt.
Als dann der Umzug nach Deutschland bevorstand, war mir dann souveränes und vor allem sicheres Fahren auf deutschen Autobahnen wichtiger als das agile Handling und der schnelle Antritt - was mich zu einem - wieder gebrauchten - Lancia Lybra 2.0LX Comfortronic führte. Damit war ich dann schon sehr vernünftig und meist gesetzeskonform unterwegs, aber noch völlig ohne ökologischem Bewusstsein. Auf deutscher Autobahn fuhr ich selbstverständlich so schnell, wie es die Verkehrsbedingungen erlaubten, also ab und zu auch über 200, und die 12-13L Verbrauch in der Stadt waren mir wurscht, hatte dafür ja 5 Zylinder (mehr als 4!

) und Automatik.
Wie es dann genau zu einem neuen Alfa 156 SW 2.0JTS Selespeed kam, ist eine längere Geschichte, jedenfalls war daran auch ein Motorschaden am Lancia beteiligt. Das war 2004 und schon damals las ich mit höchstem Interesse Prius-Berichte und dachte mir schon damals still und heimlich in mir, dass das wohl der wesentlich vernünftigere Kauf gewesen wäre.
Aber ich hatte den Alfa, war ja immerhin mal mein absolutes Traumauto, und hat mir auch ehrlich getaugt und wiederum mich zu einer wesentlich unvernünftigeren Fahrweise angespornt - siehe schon den 155 davor ...
Naja, aber man wird älter und ruhiger. Ausserdem hatte ich eine Herz-OP. Und dann der Umzug von Stuttgart nach Steyr. Und dann vermehrt diese typischen kleinen Probleme - Italiener eben, war ich ja gewohnt, aber irgendwie nimmer bereit zu akzeptieren.
Ganz interessant war aber vor allem das Gefühl, mit einem derartigen Geschoss zu fahren, aber ständig rücksichtsvoll und vernünftig, mit angepasster Geschwindigkeit und sowieso innerhalb des gesetzlichen Rahmens - aber eben speziell so, dass andere Autofahrer kollegiale Benutzer der gleichen Strasse sind, und nicht Gegner um den Besitz jedes Fleckerl Asphalts.
Da kam mir der Alfa plötzlich immer mehr überflüssig und fast anachronistisch vor. Da begann das mit dem Vermissen des Puntos. Und dann noch die steigenden Benzinpreise 2008 und ein steigendes ökologisches Gewissen. Das Erkennen, was CO
2 tatsächlich unserem Klima antut.
Irgendwie also beim Prius gelandet. Zum Glück. Weil abgesehen davon, dass der immer noch fast etwas zuviel Leistung hat - aber da hat man wenigstens was von einem ruhigen und - wie ich finde - vernünftigen Fahrstil - nicht nur beim Verbrauch, auch atmosphärisch im Auto.
Es war schon zu Zeiten im Alfa, als ich langsam meinen Fahrstil änderte, so, und jetzt im Prius ist es noch mehr so, dass mir halt dann auffällt, dass es da unglaublich viele Autofahrer gibt (bei weitem nicht alle - grundsätzlich habe ich das Gefühl, jetzt mehr der Allgemeinheit hinsichtlich Fahrstil anzugehören als früher), für die ist Autofahren im besseren Fall ein Sport, oft aber auch ein echter Kampf, jedenfalls etwas, wo es etwas zu gewinnen gibt. Dabei ist der einzige Gewinn ein Tag ohne Unfall, Verletzte oder gar Tote. Und vielleicht noch jedes gespart g CO
2.
Die Freude an einer gepflegten Kurvenhatz, gefühltem extrem schnell sein und gegen andere zu kämpfen ist dabei nicht verloren gegangen, sondern nur aus dem öffentlichen Verkehr ausgeschlossen. Keine Frage. Ich habe Benzin im Blut. Und wenn es darum geht, mit Freunden oder Arbeitskollegen ein paar Runden auf einer Kartbahn zu drehen, dann taugt mir das so richtig. Und nur allzu gerne würde ich mal ein paar Runden mit einem Formel-Renner auf einer Rennstrecke drehen.
Meine Hochachtung geniessen indes aber auch Menschen wie jener Taxifahrer, über den die AR einst berichtete, der nach einer Million Kilometer immer noch die ersten Bremsscheiben hat, weil er eine derart ruhige und vorausschauende etc. Fahrweise hat.
Den Charme von SUVs im Speziellen hab ich aber trotzdem nicht verstanden. Noch nie. Wie oben geschrieben - was kleineres, leichteres, agileres ... trotzdem mit allem erdenklichen Komfort und Platz usw. ... okay, meinetwegen. Total anachronistisch meiner Meinung nach, aber da verstehe ich, was jemand daran erfreuen kann. Nicht aber SUVs. Auch nicht aus Faszination für die Ingenieursleistung. Bei dem betriebenen Aufwand (finanziell als auch hinsichtlich Gewicht) ist ja nun wirklich nix dabei.
Ich akzeptiere es. Ich bewerte Menschen nicht danach, ob ihnen sowas taugt oder nicht. Aber verstehen tu ich es trotzdem nicht.
LG,
Wolfgang